FOTO von FLICKR: Große Reiher von MIKEBAIRD

ALLES WAS DU LIEBST, GEHÖRT DIR. NIEMAND KANN ES DIR WEGNEHMEN!“ Aus „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran.“

Das Abschiednehmen gehört auch zum Beruf der Tagesmutter.

So wie das Eingewöhnen kann auch der Abschied schwierig sein. Die Kinder spüren, es kommt eine Veränderung, die unbekannte Anforderung des Kindergartens. Manchmal weinen sie, als wären sie noch nie bei mir gewesen. Alles ist möglich.

Der Reifeprozeß in meiner kleinen Gruppe hat sein Ende erreicht. Die Tageskinder brauchen keine Windel mehr, können alleine auf die Schaukel, alleine andauchen, essen schon viel schöner, sind verbal gut entwickelt.

Die Teamfähigkeit ist gut zu beobachten. Zum Beispiel sammelten BENJAMIN, LEON und PHILIPP begeistert Holz im Park für ein imaginäres „Lagerfeuer“. Der Wind hatte so viele größere Äste der alten Bäume abgerissen. Der Haufen wurde „Angezündet, dann das Feuer gelöscht, auf die Äste geschlagen“. Es war einfach gemeinsames TUN, voll Freude und Begeisterung.

BENJAMIN ist heute das letzte Mal bei uns. Im Park ruft MAXIMILIAN ihn und LEON:“

KOMMT, WIR MACHEN DAS GRÖßTE LAGERFEUER DER WELT!

WIR SIND DIE DREI GRÖßTEN MUSKELTIERE!

WIR SIND SOOOO STARK!

Die Kinder sind reif für den Kindergarten.

Für mich beginnt der Loslösungsprozeß dann, wenn ich erfahre, wann das Tageskind zum letzten Mal kommen wird. Es gibt Kinder, wo ich denke, es war nicht leicht, aber ich habe es gut geschafft. Bei Anderen geht „ein Stück des Herzens“ mit.

Wir gestalten am letzten Tag ein kleines Fest. Das Kind darf sich wünschen, was es gerne machen möchte. Voriges Jahr bei Katharina´s Abschied im Sommer zündeten wir eine Gartenfackel an, hatten viele Wasserbomben, die Maximilian so liebt, es gab salzige und süße Sachen zu essen, und wir sangen das Lied:

ALLES GUTE FÜR DICH, ALLES GUTE FÜR DICH,

ALLES GUTE, LIEBE K A T H A R I N A,

ALLES GUTE FÜR DICH!!!

Es gibt auch ein kleines individuelles Abschiedsgeschenk von mir.

BENJAMIN bekam ein WINNIE THE POOH Heft mit Kinder-Fernglas. Er war fasziniert.

Als beim Wasserbombenwerfen BENJAMIN´S T-Shirt naß wurde, erklärte ich ihm, daß es seine Mama trocknen muß. Sein Kommentar:“Das kann sie schon!“

Wir haben zwar schon ein Abschiedsfest für Benjamin gefeiert, heute meinte aber seine Mutter, sie würde ihn gerne noch die Freitage im Juli bringen, weil die Buben so viel Spaß hatten. Und so ist ALLES möglich!

Das Schöne ist, wenn man wie ich, schon oft ein „Unerwartetes Wiedersehen“ erlebt hat. Diese Freude die ich da empfinde, ist ganz besonders und hilft mir auch, loszulassen.

Als sich LAURA am 5. August 2003 nach zwei Jahren verabschiedet, sind wir Alle etwas traurig. „Gib der Tante Sissy noch ein Bussi“, meint die Mama. Schon an der Haustüre sagt Laura:“ Ich geb´dir noch ein Bussi für den Markus und den Clemens(meine Söhne) und sag dem Clemens, er soll brav sein!“ Dann schließt sie die Türe.

Elisabeth.

P.S. Interessante Frage einer bekannten Ärztin:

„Wie weh tut es, wenn sie die Tageskinder wieder hergeben müssen?“