Aus dem Dorfmuseum Michelhausen:

Eine alte Schulklasse aus Rust im Burgenland um 1855: Der Lehrer unterrichtete 72 Kinder, von deren Eltern er pro Woche 2 bis 3 Kreuzer Schulgeld bekam. Von der Gemeinde erhielt er –

wie der Viehhirte bei der Getreideernte

– eine bestimmte Anzahl an Garben, die er von den Feldern einsammeln musste, sowie von jedem Haus Brot.

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Der Bruder meines Großvaters war ein beliebter Volksschullehrer ab ca. 1916 in Ebergassing mit über 100 Kindern in einer Klasse. Er betonte immer, daß jeder seiner Schüler lesen lernte.

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Als ich ein Formular ausfüllte und als Beruf Tagesmutter angab, fragte mich der Beamte allen Ernstes, ob das wirklich ein Beruf ist.

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Jetzt nach mehr als 16 Jahren dieser Tätigkeit spüre ich schon viel Anerkennung rundum. Oft fühlte ich mich wie ein lebendiger Plakatständer – ein Werbeplakat für diesen Beruf. Es ist eine Wechselbeziehung zwischen den Reaktionen der Umwelt und dem steigenden Selbstwertgefühl. Durch die positive Mundpropaganda bekomme ich schon viele Jahre meine Tageskinder. Das ist die beste Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern. Super ist es, wenn sich die Eltern über alle Möglichkeiten der Kinderbetreuung informiert haben und dann zu mir kommen.

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„Warum gibt es keine männlichen Kindergärtner und Volksschullehrer in unserer Zeit?“ fragte ich einmal. „Sie könnten ihre Familien nicht ernähren“, war die Antwort.

Bei meinen Tageskindern die ohne Vater in der Familie aufwachsen, bemerkte ich öfters, wie sehr sie es genießen, wenn mein Mann früher nach Hause kommt. Das männliche CHI ist einfach wichtig!

Alle kinderbetreuenden Berufe sind in unserer Gesellschaft sehr wenig geachtet und honoriert. Das betrifft besonders die Tagesmütter. Mit diesem Beruf alleinerziehend zu sein, könnte ich mir nicht vorstellen. Wie oft sind Kinder krank oder auf Urlaub und dann fällt der Verdienst aus.

FLICKR-FOTO von Philip Bouchard.

Artikel aus der Zeitschrift KOMPETENZ vom 05.09.08:

Die Kärntner Tagesmütter wehren sich.

Über 400 Tagesmütter und Eltern haben am 03.04.08 mit einem Protestmarsch vor der Kärntner Landesregierung gegen die unerträgliche finanzielle Situation protestiert. Es wurde erreicht:

  • Die Besteuerung der Aufwandsentschädigung wurde rückwirkend zurückgenommen.
  • Einmalhilfe an jede Tagesmutter in der Höhe von 450 Euro.
  • Eine Abänderung des Finazierungssystems der Tagesmütter auf Landesebene für das Jahr 2008 wird im Herbst präsentiert.

Faszit: Es lohnt sich zu protestieren!

DIE ERFOLGREICHE BLITZAKTION ZEIGTE, DASS GEMEINSAMES HANDELN BERGE VERSETZEN KANN!

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In Deutschland ist die Situation sehr schwierig.

Nachzulesen in http://tagespflege01.wordpress.com

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In unserem Weihnachtsurlaub fuhren wir nach Bad Tatzmannsdorf und aßen im Restaurant Spiegel zu mittag. Mein Mann kennt Evelyn von Holland, CHOCOLATIER DES HAUSES recht gut. Sie zeigte uns die Schokoladenmanufaktur und ich erzählte ihr später von meinem Beruf.

Als ich sagte, daß 7 meiner Tageskinder heuer in den Kindergarten wechselten und 4 neue Kinder wieder von mir betreut werden, fragte sie:“Habt ihr denn keine Kinderkrippen im Ort?“ Irgendwie konnte sie nicht verstehen, daß Tagesmütter noch notwendig sind.

Elisabeth.