Unsere DAISY-Schildkröte ist nicht mehr. Heute mußten wir sie begraben.

Vor 4 Jahren brachte eine Bekannte dieses Landschildkrötenmädchen zu uns. Sie war so klein, daß ich sie auf unser verlängertes Wochenende in die Steiermark mitnahm. So konnten wir uns auch  ungestört kennenlernen.

Unser Motitz nahm anfangs gar nicht so viel Notitz von ihr. Der Größenunterschied war ja riesig.

Ich weiß noch gut, wie  ich mich fühlte, als ich sie das erste Mal in unserem Garten, der ja sowieso von Mauern umgeben ist, freiließ. Würde ich sie je wiederfinden? Aber wie sollte sie glücklich und herumlaufen können, wenn ich sie immer im Käfig einsperrte?

Und dann nahm ich das Gitter weg und sie krabbelte davon.  

LOSLASSEN – ein ewiges Thema im Leben

Und gegen Abend, als die Sonne wegging fand ich sie wieder. Ihr Schlafplatz war, nicht weit von  Moritz und ich war so beruhigt und zufrieden. Auch ein bißchen stolz, daß ich sie losgelassen hatte.

Jeden Frühling, wenn ich MORITZ und DAISY aus dem Keller holte, war sie ein Stück gewachsen.

Heuer war sie gar nicht mehr viel kleiner als Moritz. Es schien, als akzeptierte sie Moritz schon als Partner. Er war nicht mehr so viel suchend unterwegs.

Ganz problemlos war das Zusammenleben der beiden Landschildkröten nicht. Abgesehenvon den Liebesbeweisen unseres Moritz – die Bisse in Daisy`s Vorderbeine, attakierte er sie im Frühling, bis sie auf dem Rücken lag. Das wiederholte sich zum Glück nicht.

Eines Abends beobachtete ich, wie Daisy, den schlafenden Moritz im Schildkrötenhaus richtig rammte. Es war so ein unangenehmes Geräusch. Einige Male wiederholte sich das. Dann kam er verschlafen aus dem Haus heraus.

Vor langer Zeit bei den Zwerghasen war das Zusammenleben des Elternpaares auch schwierig gewesen. Was soll man da tun? Jeden einzeln „einsperren“, wo sie ja schon sowieso in Gefangenschaft leben „müssen“?

So erlebten wir 4 abwechslungsreiche Jahre mit unseren 2 Schildkröten – Ihr Erscheinen immer ein Ereignis für die Tageskinder und unser Enkelkind – bis am Donnerstag.

SIMON besuchte uns und fütterte natürlich MORITZ und DAISY. Ab diesen Nachmittag war sie verschwunden.

Wir suchten sie immer gründlicher, jeder Winkel unseres Gartens wurde inspiziert – vergebens.

SIMON`S telefonische Auskunft am Samstag war, er hätte sie zuletzt in der Sandkiste gesehen. Dort war sie auch nicht.

Am Sonntag vormittag rief ich meinen mittleren Sohn an. Er war es, der Moritz immer fand, wenn er sich im Herbst schon etwas eingegraben hatte. Als seine Suche auch erfolglos war, ging ich zum Teich. Dort entdeckte ich einen schmalen, gitterfreien Spalt.

Mein Mann hob das Gitter hoch, ich griff mit der Hand am Teichgrund und hatte Daisy in der Hand. Die Arme war ertrunken.

Öfters hatte ich beobachtet, daß die Schildkröten am Gitter stehend das Teichwasser tranken. So viele Jahre war das kein Problem gewesen.

Wir begruben sie gleich in der Nähe unseres treuen BILLY, einem Münsterländermischling.

So viele Gedanken kommen, was haben wir falsch gemacht?

Diese Trauer, die jetzt in mir ist, hätte ich nicht erwartet. Es war eben auch ein Familienmitglied!

Moritz zieht jetzt wieder suchend seine Runden durch unseren Garten.

Elisabeth.